… und was sie wieder herstellt – Teil 2 „Das erste Halten“

Die Begleitung durch Halten
    1. Sitzung 

Ich erkläre  Mandy, was wir nun machen werden. Sie wird sich auf die Matte auf den Boden legen und ihre Schwester wird bei ihr bleiben. Ich werde sie an der Matte begleiten.

Mandy vertraut mir und legt sich hin. Die Schwester sitzt an der linken Seite der Matte und Mandy schaut ihr in die Augen und hält ihre Hand. Sie fühlt sich jetzt sicher und ihr Körper beginnt langsam zu zittern. Ich begleite Mandy mit leiser, sicherer Stimme und haltgebender, traumaorientierter Kommunikation.  Ich ermutige sie das Zittern zu erlauben, dabei ihre Schwester und den Boden, auf dem sie liegt, wahrzunehmen.

In der ersten Welle zittern nur die Arme und der Oberkörper. In der zweiten Welle geht das Zittern bis in die Beine und in der dritten wird der Bauch von Mandy weicher. Zwischen den Wellen habe ich ausreichend Zeit gelassen, dass Mandy sich ausruhen konnte. Am Schluss schaute sie ihrer Schwester  voller Freude in die Augen und sagte: “ Ich hatte Angst, dich nicht wieder zu sehen, und Anna, und meinen Sohn und meinen Mann!  Jetzt bin ich wieder da!“

Im Nachgespräch erkläre ich ihr die Körperreaktion. Das Zittern ist ein Abfließen von angestauten Energien, die durch die Narkose in ihrem Körper „eingefroren“ waren. Mandy hat die Erstarrung im Körper gespürt, das Atmen fiel ihr schwer, der Bauch war hart und sie fühlte sich, als ob sie gar nicht mehr wirklich da ist. Das sind die Empfindungen, die Sie noch im Körper hatte.

Im Prozess auf der Matte war ihr das Bild der Zange, mit der ihr Bauch aufgezogen wurde, noch immer präsent. Mandy braucht ihre Schwester, um sich zu orientieren. Sie vertraut ihr voll und ganz und wirkte selbst verschüchtert und überfordert. Das innere Bild, dass sich die Seele von Mandy wie eine Alufolie zusammengeknüllt hat, ruft bei ihr sofort wieder panische Angst und tiefe Traurigkeit hervor. Somit fühlt sie sich als Mutter überfordert, da sie spürt, dass durch die Narkose während der Geburt etwas passiert ist, woraus sie sich noch nicht wieder lösen konnte. So kann sie für ihre Tochter nicht richtig da sein.

Im Laufe des Mattenprozesses verändert sich die Körperspannung. Ihr Bauch wird weicher und sie kann wieder durchatmen. Sie kann ihre Schwester an ihrer Seite wahrnehmen, sie ist nicht allein, sie spürt den Boden unter sich und sie spürt, dass sie lebt.

Mit dem Satz „Jetzt bin ich wieder da!“  ist Mandy aus dem Schock der Narkose zurückgekehrt ins Leben.

Die kleine Anna wird noch immer künstlich ernährt, was Mandy Sorgen bereitet. Ich erkläre ihr, dass ihre Tochter durch die Narkose ebenso mit betroffen war wie sie als Mutter. Hier könnte  ein Halten das Körperempfinden der Tochter verbessern. Mandy ist dem gegenüber noch etwas misstrauisch und möchte warten, bis sie mit Anna die anderen Angebote ausprobiert hat.

Wir vereinbaren daher für Mitte Dezember einen weiteren Termin. Hier wird Mandy ihre Tochter Anna mitbringen.

… Fortsetzung folgt